True love lasts a lifetime

Ich habe Bob Dylan gesehen. Live. ICH HABE BOB DYLAN GESEHEN!!! Ich kann es immer noch nicht fassen. Er war alt, zugegeben. Und er hat wenig aus seinem Repertoire der ganz frühen Jahre gespielt. Und ich war umgeben von Anwälten, Oberstudienräten und Ärzten, die sich alle eine Jeans zum Sakko angezogen haben um sich selber zu beweisen, dass sie sich nie verkauft haben und immer noch der ungezähmte Rebell von vor 50 Jahren sind. Das ist aber nur konsequent, denn Mr. Dylan selber hat im Breidenbacher Hof genächtigt – das ist auch eher wenig systemkritisch. Man wird halt auch älter, das ist schon ok. Aber egal, ich habe Bob Dylan gesehen, live und in Farbe und ich stand ganz vorne.

Jagger, Lennon, Dylan – das waren meine ganz frühen Lieben, immer die jungen Versionen, immer die ärgerlichen, kritischen, rebellierenden Versionen, das passte gut zum Teenager Lebensgefühl, da fühlte ich mich angesprochen. Das war einfach wahre Liebe zwischen mir und ihnen. Und auch wenn ich heute durchaus viel andere Musik höre, die nicht aus den 1960er und 1970er Jahren stammt, die erste Liebe vergisst man nicht. And like they say: True love lasts a lifetime.

20 Dinge über mich

Die „20 Dinge über mich“ Aktion geistert gerade durch die Blogsphäre, da will ich doch nicht hinten anstehen. Also:

  1. Ich kann an keinem Objekt vorbeigehen, auf dem der Union Jack gedruckt ist. Ich kann es einfach nicht. Mittlerweile habe ich mich soweit im Griff, dass ich nicht mehr automatisch alles kaufe wo er drauf ist. Das ist doch schon mal ein Anfang.
  2. Dinge, die ich wirklich toll finde, zu denen fühle ich eine starke emotionale Bindung. D.h. wenn jemand die nicht gut findet oder gar beleidigt – dann fühle ich mich persönlich beleidigt. Das gilt u.a. für Berlin, England, die Beatles, meine Lieblingsserien, Star Wars… Generell kann ich es nicht haben für etwas verarscht zu werden, das ich gut finde.
  3. Wenn in einem Essen eine der folgenden Zutaten drin ist, dann kann ich nicht daran vorbeigehen: Minze, Koriander, Pinienkerne, Kastanien, Kürbis, Himbeeren, Granatapfel
  4. Ich bin der nachtragendste Mensch der Welt. Ich vergesse nicht und es kann mir passieren, dass ich mich nach Ewigkeiten an eine Situation erinnere, über die ich mich geärgert habe und dann genauso wütend bin wie vorher. Ist kein schöner Zug, liegt aber einfach in meiner Natur.
  5. Ich halte mich an Pläne. Wenn etwas so beschlossen ist, dann versuche ich auch unbedingt das so durchzuziehen.
  6. Ich habe eine Schwäche für Tierfüße. Es gibt nichts Niedlicheres!
  7. Ich glaube nicht an den Weihnachtsmann, aber an die magische Kraft von Weihnachten. Das ist eine Zeit, in der tolle Dinge gelingen, alles etwas schöner ist und die böse Welt draußen bleiben muss!
  8. Ich war früher ein schwieriger Esser, mittlerweile hat sich da viel gebessert, ich esse beizeiten sogar Fisch, was aber nach wie vor niemals geht sind Thunfisch und Rote Bete (in Reinform. Suppe ginge.) Das könnte ich nicht essen wenn mein Leben davon abhinge.
  9. Ich brauche Druck zum Arbeiten. So organisiert ich im Alltag erscheinen mag, ich kriege es nicht auf die Kette einen ordentlichen Arbeitsplan für mehrere Wochen oder gar Monate aufzustellen und mich daran zu halten. Erst wenn eine Deadline in greifbare Nähe rückt, dann läuft es auf einmal wie geschmiert.
  10. Kommentare zu meinem Fahrstil, ungefragte Richtungsanweisungen („Fahr doch besser da lang…“) o.ä. führen zu innerlicher Weißglut bei mir
  11. Ich finde Geschichte spannender als jeden Krimi
  12. Ich kann an keiner Buchauslage im Geschäft vorbeigehen, ohne aufzuräumen. Berufsrisiko. Man kann das Mädchen aus dem Buchhandel nehmen, aber den Buchhandel nicht aus dem Mädchen, was soll ich machen.
  13. Ich backe furchtbar gerne, ich esse aber ungern Kuchen und Kekse. Ich bevorzuge generell eher Herzhaftes. Aber Backen entspannt mich.
  14. Ich bin die schlechteste (Halb-)Österreicherin der Welt. Ich kann nicht Ski fahren, ich mag Wien und ich würde das Meer immer den Bergen vorziehen. Aber wenigstens mag ich gerne Brotzeit und Mehlspeisen.
  15. Ich trinke immer Espresso, weil ich die komische Kaffee-Milch-Plörre, die nach wenigen Minuten bei Latte Macchiato etc. entsteht, furchtbar finde.
  16. Ich habe keine Toleranz für Rumjammern ohne dass man versucht seine Situation zu ändern. Einmal richtig heulen/auf den Tisch hauen/sich ein Wochenende einschließen und flennen – kein Ding. Über Monate über den gleichen Umstand jammern – bitte jemand anderen suchen. Suche nach Lösungsansätzen? Immer gerne!
  17. Ich bin von Grund auf treu! Ob das in einer Beziehung, in einer Freundschaft oder in der Liebe zu Bands, Serien oder was auch immer ist. Ich stehe bedingungslos dazu.
  18. Wenn man aber einmal bei mir verschissen hat, dann hat man auch verschissen, das ist nicht mehr zu kitten (siehe Punkt 4).
  19. Ich versuche mich mindestens einmal im Monat außerhalb meiner „Comfort Zone“ zu bewegen – meistens kommen da mehr gute als schlechte Sachen bei raus!
  20. Ich mag Filz ohne Ethno und Drachen ohne Fanatsy.

Zombies in Düsseldorf

Meine Vorliebe für alles, was mit den mehr oder weniger langsam schlurfenden Untoten zu tun hat, dürfte inzwischen allseits bekannt sein. Das Thema zieht mich magisch an, sei es in Filmen, Büchern oder anderweitig. Da kam der „Zombiewalk in Düsseldorf“ am 1. September natürlich wie gerufen. Schon ab mittags konnte man sich in der Brauerei „Kürzer“ auf der Kurzen Straße in der Altstadt einfinden, sich dort schminken lassen und Kontakt zu Gleichgesinnten herstellen. Mein Mann und ich fühlten uns zuerst ordentlich kostümiert, verfielen dann aber angesichts der teilweise unglaublichen Detailverliebtheit, mit der einige der Angetretenen sich verwandelt hatten, sehr schnell in Schweigen. Allgemeiner Treffpunkt für alle war dann 17:00 Uhr am Burgplatz und von dort ging es entlang der Rheinuferpromenade *schlurf* *stöhn* *knurr* in einem die Passanten offenbar sehr verstörenden Marsch bis kurz vor das Apollo-Theater. Gekostet hat der Spaß nichts (davon ausgehend, dass man Zombie-Verwandlungsequipment bereits zu Hause hat – schenken tut einem das Kostüm natürlich niemand und sofern man es in Anspruch nehmen möchte ist das Schminken im Kürzer auch nicht kostenfrei, für die Optionen 15/25/35€ bekommt man aber ordentlich etwas für sein Geld) und wir freuen uns schon auf 2014!

Das „neue Jahr“

Für viele Menschen scheint der Jahreswechsel eine entscheidende Zäsur zu sein und Anlass, um sich niemals zu bewältigende Vorsätze aufzuerlegen. Selbst wer dies nicht tut neigt vermutlich dazu den 1.1. eines neuen Jahres als „Punkt null“ zu betrachten, als glatten Schnitt, nachdem etwas neu beginnt oder etwas zu Ende ist. Die Vorstellung davon, was das neue Jahr bringen wird. Phasenweise geht mir dies ebenfalls so, doch habe ich diesen Sommer einmal wieder festgestellt, dass für mich diese Zäsur eher im Herbst liegt. Der Sommer ist die Zeit in der vieles geht und kaum etwas muss, in dem alles so dahinplätschert, weil sowieso die Hälfte der Leute nicht erreichbar ist und in dem viele Dinge bis „nach dem Urlaub/den Ferien“ aufgeschoben werden. Eben bis „nach dem Sommer“. Und gerade ein Sommer wie dieser mit viel Sonne, mit viel gefühltem Beine baumeln lassen – der führt bei mir dazu, dass ich im September/Oktober langsam „neu starte“. Und das deutlich stressfreier, als es Neujahrsvorsätze wären. Denn da geht es nicht um die 10 Kilo weniger und das rauchfreie Leben, da geht es mehr um Projekte, die angegangen werden, Urlaubspläne fürs nächste Frühjahr (ja, ich plane gerne und rechtzeitig) und in diesem Jahr auch grundlegende Überlegungen, wie die nächsten Jahre so aussehen sollen und was dafür irgendwann in die Wege geleitet werden müsste. Auch eine Art Frühjahrsputz im Spätsommer setzt bei mir ein (vor allem im Sinne von Ausmisten, in den Schränken und in der Freizeit). Das fällt alles deutlich leichter, wenn man einige Wochen geistigen Urlaub hinter sich hat (zugegeben, das ist im Sommer bei Menschen im Schul-, Universitäts- und Museumspädagogikbetrieb deutlich mehr da Fall als bei anderen Schichten der Arbeitswelt), dann fällt das deutlich leichter. Noch leichter fällt es mit einem Aperitif in der Hand auf dem Balkon sitzend und die letzte Sonne genießend.

Gerade für meinen Arbeitsbereich sehr passend beginnt das jüdische Jahr übrigens meistens auch im September, nicht im Januar. Vielleicht ging es den Menschen damals in biblischen Zeiten ähnlich wie mir.

Ravensbrück

Ich habe im Juli als zusätzliche Begleitperson eine Exkursion zur Gedenkstätte Ravensbrück mitgemacht. Eines der Konzentrationslager auf deutschem Boden, das heute überraschend vielen Menschen kein Begriff mehr ist. Dabei steht es weder in Größe noch in Schrecken hinter anderen Orten wie Dachau oder Sachsenhausen zurück. Woran diese Unkenntnis liegt kann ich nicht beantworten. Die Gedenkstätte an sich ist seit grob zehn Jahren mit einer Jugendherberge ausgestattet, die Schlafräume befinden sich in den ehemaligen Wohnräumen der Aufseherinnen. Dort ist natürlich alles renoviert, modernisiert und auf den ersten Blick erinnert nichts daran, dass die Häuser eine Geschichte haben. Beim näheren Hinsehen fällt auf, dass die Fensterläden sehr alt sind, ebenso manche Treppengeländer. Die Vergangenheit holt den Betrachter langsam wieder ein. Und obwohl auf dem Jugendherbergsgelände durchaus eine lockere Atmosphäre herrscht, irgendwie war die Vergangenheit präsent, allgegenwärtig. Und das ist vermutlich auch gut und richtig so.

Wenige Meter weiter beginnt das ehemalige Lagergelände, umrandet von dem unsagbar idyllischen See des ehemaligen Luftkurortes Fürstenberg und überragt von den Häusern der damaligen Lagerleitung, optisch wie aus einem Heimatfilm entsprungen, passiert man erst das Gebäude der Lagerkommandantur, das heute die Dauerausstellung beinhaltet, und von dort tritt man…ins Nichts. Wer wenige Augenblicke zuvor noch der Meinung war angesichts der See-Ausflugskulisse wäre es schwer sich von der trügerischen Idylle des Ortes zu lösen, den trifft die Realität mit gezielter Präzision. Mich beschlich sofort das Gefühl aus Raum und Zeit getreten zu sein, der See, die Bäume, alles war vergessen, selbst die Vögel waren kaum noch zu hören. Die ehemaligen Wohnbaracken stehen nicht mehr, aber ansonsten noch überraschend viel. Und gerade die scheinbare Weite des Geländes durch die fehlenden Bauten betrübt und erdrückt. Nach einigen Minuten beschlich mich das Gefühl die Außenwelt habe eventuell aufgehört zu existieren und es gäbe nur noch dieses, was ich hier sehe, das Graue, das Eintönige, das Trostlose. Unvorstellbar ist es wie es für die Insassen gewesen sein muss, nachdem, was sie erlitten und verloren hatten, wenn schon auf den einfachen Besucher dieser Ort so viel drückt.

Post aus meiner Küche

Lange hab ich davon gehört/gelesen, aber nie hatte ich die Gelegenheit mich tatsächlich an PAMK zu beteiligen. Diesen Juli kam die Chance, schnell wurde zugegriffen und unter dem Motto „Zusammen schmeckt es besser“ hab ich meine allererste Tauschrunde gestartet. Meine Tauschpartnerin kam nicht nur aus Düsseldorf, nein, sie hat auch noch denselben Arbeitgeber: die Heinrich-Heine-Universität. Nach erfolgreicher eMail Kontaktaufnahme war ein Treffpunkt ausgemacht und auch schon ein paar Basisdaten ausgetauscht. Jetzt hieß es nur noch: was kommt ins Paket?

Aufgrund des Wetters entschied ich mich für ein Picknick-Set mit frischem Brot, Couscous-Salat, Haselnuss-Ziegenkäse-Quiche und Eton Mess. Im Endeffekt fand ich das Kochen und Rezepte auswählen deutlich leichter als das Verpacken, es sollte so schön werden und letztendlich war ich doch recht enttäuscht davon, dass alles, was ich versuchte toll einzupacken irgendwie kröselig aussah. Ich hoffe geschmeckt hat es trotzdem, beim nächsten Mal muss ich besser vorbereitet sein.

Mein erhaltenes Paket war auf jeden Fall alle Mühen wert, die Nektarinen-Rosmarin-Muffins haben mein Büro nicht überlebt und die Rosmarin-Kräcker und die selbst eingekochten Chutneys haben ebenfalls schon gute Verwendung gefunden. Das Verpackungsproblem hatte meine Tauschpartnerin offenbar nicht:

 

Alles in allem eine tolle Aktion und ich freu mich auf die nächste Runde und über einen netten Neukontakt an der Uni.

Von ungarischen Würsten, Fetten Broten und Meinungsfreiheit – Rock im Park 2013

Wie schon in den vergangenen zwei Jahren ging es Anfang Juni Richtung Nürnberg, zu Rock im Park. Der aufmerksame Leser mag sich fragen warum man mehr als die doppelte Wegstrecke zurücklegt, wenn man das gleiche Festival mit Rock am Ring in der Eifel haben könnte. Nun, zum einen beinhaltet diese Frage schon teilweise die Antwort: Rock am Ring ist in der Eifel, da regnet es tatsächlich immer. Und es gibt keine Alternative zum Zelten. Und auch wenn das uncool, snobistisch oder was auch sonst noch alles sein mag, seien wir ehrlich: wir werden alle nicht jünger. Und wie JH, Teil der Stammgruppe RiP, bereits vor zwei Jahren feststellte: Die Mitt-30er BWLerin schläft im Hotel. Einfach weil sie es kann. Und die Mitt-30er Historikerin tut das auch. Und wie die Metall-Shirt-Gummistiefel-Festivalbändchen-Ausbeute am morgendlichen Frühstücksbuffet vermuten lässt: viele andere Berufsgruppen über 30 sehen das ähnlich. Und, als finaler Grund kommt hinzu, dass zur Stammkombo ein Mittrocker gehört, der in Frankfurt wohnt, für den liegt Nürnberg schon deutlich näher und der hat das Ganze mal ursprünglich mit ins Leben gerufen. Wie dem auch sei, unsere Truppe setzt sich traditionell im Frühsommer Richtung Bayern in Bewegung. Und das hat auch diesmal funktioniert, trotz Hochwasser und angekündigter Regengüsse (genau genommen sind wir nicht einmal nass geworden. Zero, nichts. Trotz Unwetterwarnung und 100% Regenwahrscheinlichkeit für Sonntag. Nada, einfach vorbei gezogen. Nimm das Eifel!)

Nun ist so ein Festival neben viel Spaß, Bier und guter Musik auch eine Erfahrung und aus eben dieser habe ich mehrere Erkenntnisse gezogen (die ich zumindest in dieser Deutlichkeit vorher noch nicht hatte):

Erinnerungen an vergangenes Jahr verklären sich über die 12 Monate, die zwischen den Events liegen

Das trifft tatsächlich nicht auf alles zu, das gemeinsame auf der Wiese rumfläzen, Bier trinken, quatschen, schlafen, chillen und für die entsprechenden Konzert abgehen ist tatsächlich jedes Jahr so schön, wie man es in Erinnerung hat. Das kann man dieses Jahr leider nicht über die Bratwürste sagen. In den vergangenen 362 Tagen war sie irgendwie immer präsent: die unglaublich gut, zugegeben sehr teure, ungarische scharfe Wurst, die es auf der Hauptfressmeile zu kaufen gab. Unser aller verfressenen Naturell gemäß führte uns einer unserer ersten Wege auf dem Gelände zu dem Standort vom letzten Jahr. Dort fanden wir schon mal nichts. Aber Standorte verändern sich auch, das hat uns nicht entmutig und tatsächlich fand sich ein, diesmal weitaus größerer, Stand, der ungarische Spezialitäten verkaufte. Preis stimmte grob, Optik auch. Geschmack nur leider nicht. Es war nicht schlecht, aber die Welt hat schon Spektakuläreres gesehen. Ob tatsächlich die Qualität so nachgelassen hat, der Stand letztendlich doch gar nicht der richtige war oder einfach die letztjährigen Begleitumstände (Regen, Kater, Ausgehungert) anders waren – wer kann es schon so genau sagen. Vielleicht ist auch aus einer grundsoliden Wurst in unserem Kopf eine Lager-than-life-Version geworden. Spielt auch keine Rolle. Quintessenz: Manche „Mythen“ bleiben besser in der Erinnerung so wie sie sind und damit in der Realität unangetastet. Besser pro Jahr neue Top-(kulinarische) Erlebnisse schaffen (dieses Jahr – argentinisches Schweinebratenbrötchen – OMG!)

Musik, die man sich zu Hause anhören würde, ist nicht zwangsweise äquivalent mit den besten Konzerten auf dem Festival

Das funktioniert sicherlich in beide Richtungen, war aber 2013 nur in eine Richtung relevant für mich. Die Bands, auf die ich mich gefreut habe, waren live genauso großartig wie ich es gehofft habe. Doch im Traum hätte ich nicht gedacht, dass in meinen persönlichen Top 5 Konzerten des Festivals Fettes Brot und Seeed Platz 1 und 2 belegen würden. Bei beiden Bands käme ich niemals nicht auf die Idee, die privat zu Hause zu hören, geschweige denn auf ein Konzert zu gehen. Zumindest letzteres entpuppte sich als grober Fehler. Ich glaube das Konzert von Fettes Brot kommt sogar unter meine all time Top 5 ever. Großartige Stimmung, großartiger Spaß, super Leitung auf der Bühne und Jump-Garantie bei den meisten Titeln. Und auch bei Seeed ertappte ich mich auf einmal bei Hip Hop Dance Moves, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie in mir schlummern. Fazit: Manchmal weiß man gar nicht was einem gefällt. Einfach offen sein und Spaß haben, sonst verpasst man so einiges.

Wenn es einem nicht gefällt: einfach mal die Klappe halten.

Das bringt mich zu Erkenntnis Nummer drei – es gibt eben auch Konzerte, die sind trotz allem guten Willen nichts für mich. Das habe ich vielleicht schon vorher gewusst, vielleicht auch nicht, völlig egal. Meinem Konzert-Nachbarn, meinem Freund, meiner Freundin geht es vielleicht ganz anders, der hat gerade die Zeit seines Lebens und unglaublich viel Spaß. Auch wenn ich das nicht verstehen kann – es gibt nichts was einen mehr nervt, als jemand, der dir vor, während und nach dem Konzert immer wieder erzählt, wie furchtbar er das Konzert fand, wie schlecht er die Performance fand oder dass er generell nicht verstehen kann wie man das gut finden kann. Unabhängig davon, dass ja nun gerade unablässig der persönliche Geschmack beleidigt wird, ist es doch einfach unnötig dem Gegenüber seinen Spaß zu versauen. Das ist einfach schlechter Stil. Von daher: Ab und an einfach mal die Klappe halten.

Ansonsten war es aber wie immer ein großer Spaß, sehr schöne vier Tage die Vorfreude auf 2014 trübt momentan vor allem eins: offenbar sind jetzt schon alle attraktiven Hotels in Nürnberg für Pfingsten 2014 ausgebucht. WTF?

Star Wars vs. Star Trek

Ich bin kein Trekkie. Noch nie gewesen, dafür geht meine Liebe zu Star Wars zu tief. Ich war immer eine derjenigen, die fest davon überzeugt war man könne nur eins von beidem sein. Unentschiedenheit ist was für Luschen, entweder oder. Aus Zuneigung zu meinem Mann hab ich mich mal durch eine Staffel Enterprise gebissen und bin dabei regelmäßig eingeschlafen. Aber wie könnte man auch ankommen gegen „Help me, Obi-Wan Kenobi; you’re my only hope“, „I love you.“ – „I know.“ und „I am your father“, Filmzitate, die nach wie vor die Popkultur prägen und bestimmen.

Aber ich lasse mir auch ungern einen zu engen Horizont vorwerfen, also hab ich mir „Star Trek“ (2009) und „Into Darkness“ angesehen. Und, ich gebe es zu: ich habe mich gut unterhalten gefühlt, es war spannend, lustig und hatte nur kleine Hänger. Vieles davon ist allerdings den grandiosen Darstellungen von Zachary Quinto und Benedict Cumberbatch zu verdanken, die zwei können einfach alles. Aber auch an sich, die Filme haben ein schönes Tempo, sind, wie ich mir habe versichern lassen, zu gleichem Maße an alte Muster angelehnt als auch innovativ, und – sie machen einfach Spaß. Gut, zugegeben, der Geschmack ändert sich, seit neuestem mag ich ja auch Oliven, jetzt kommt wohl noch Star Trek dazu, wenn auch nur als Spielfilm-Version.

Aber: wahre Lieben halten ein Leben lang. Und mit meinem Begleiter während des Kino Besuchs hab ich mich gleich besser gefühlt.

Das Für und Wider von Tatortgutfinderei…

Ich oute mich jetzt: ich bin gar nicht so der Tatort-Fan. Genau genommen gucke ich die Folgen erst seit knapp zwei Jahren und das auch ziemlich unregelmäßig. Wenn’s grad passt, wenn man den Sonntagabend eh träge auf dem Sofa verbringen würde. Es fiele mir nicht ein, dafür zu Hause zu bleiben. Und schon das macht mich zu keinem „echten“ Tatort-Gucker. Auslöser dafür mir überhaupt Tatorte anzusehen war eher die Neugierde danach, was andere Menschen meiner Altersklasse dazu bewegt, genau dies zu tun. Ich wollte für mich der Frage nachgehen: was ist so toll daran? Und will ich das auch?

So richtig verstanden, was daran so toll sein soll, hat sich mir lange Zeit nicht erschlossen. Eine ganze Reihe von Ermittlern spielt auch noch 100 Filmen so hölzern oder laienhaft, dass in mir schmerzhafte Erinnerungen an ländliche Stadttheateraufführungen aufsteigen. Auch die Fälle sind für einen trainierten Krimileser in der Regel sehr schnell zu durchschauen.

Doch im letzten halben Jahr hat sich was getan. Es gab einige neue Kommissare. Und zwei von Ihnen haben es mir angetan, wobei ich diese Meinung offenbar bei einem von Beiden mit der ganzen Nation teile, bei dem Anderen vollkommen alleine dastehe. Die Rede ist von Thorsten Falke, gespielt von Wotan Wilke Möhring und von Jochen Senf gespielt von Devid Striesow. Während Möhring nach nur einem Tatort (zu Recht) gefeiert wird, hagelt es jedes Mal Empörungen über die Saarbrückener Tatorte mit Striesow. Zu albern, nicht ernst genug…dabei ist das genau das, was meiner Meinung nach die Stärke dieses Tatortes ausmacht. Endlich mal kein Tatort, der gehetzt mit bedeutungsschwangerer Miene durch seine Stadt hetzt, getrieben von abgenutzten Dämonen und gefrustet durch einen Job, den er sich vor 20 Jahren mal anders vorgestellt hat. Jochen Senf ist freundlich, ambitioniert, ausgeglichen und ein bisschen schusselig. Ein Typ, den man auf einer Grillparty durchaus amüsant fände. Und der das Herz an der richtigen Stelle hat. Bringt er etwas Slapstick in die Fälle? Ja, durchaus (aber jetzt mal ehrlich: der allseits beliebte Münster Tatort ist mindestens genauso viel Slapstick und mitnichten niveauvoller). Ist das wirklich so tragisch, eine Zumutung wie ich letztens hörte? Mitnichten. Vielmehr ist es eine Änderung, die das Konzept Tatort dringend nötig hat: sich mal selber nicht mehr so ernst nehmen. Das tut nämlich sowieso schon lange niemand mehr. Und offenbar ärgert sich halb Deutschland montags sowieso meistens über den Fall des vergangenen Abends. Dann kann es dabei wenigstens einem sympathischen Kommissar zusehen.

Bei Thorsten Falke verhält es sich etwas anders. Der ist eher der Typ Kommissar, wie man ihn erwartet. Die Dämonen sind zwar da, quälen tun sie ihn aber eher weniger. Und auch er ist rundweg sympathisch. Und wenn er mit seinem besten Kumpel biertrinkend auf dem Sofa sitzt und Schoten kloppt, dann erinnert mich das sehr positiv an eigene Erlebnisse.

Sollte der Sinn eines Tatortes darin liegen, dass man sich durch 90 Minuten zähe Schauspielkunst, mit immer wieder aufgekochten, altbekannten Themen beißt, und sich eigentlich nur darüber freut, dass man die Straßenecke seines Heimatortes in einer Szene wiedererkennt, dann passen Typen wie Jochen Senf tatsächlich nicht ins Konzept. Aber dann hätte sich damit auch meine Eingangsfrage beantwortet: nein, das will ich nicht. Das nimmt mit den Glauben ans deutsche Fernsehen und an den Geschmack meiner Freunde und Bekannten. Aber so lange es noch die anderen Folgen gibt, bleibe ich dran, an dem Phänomen Tatort, das sich mir noch nicht völlig erschließt. Und das Möhring so gut angekommen ist, das gibt mit ein wenig Hoffnung.